Die Schattenwirtschaft auf einen Blick

Original: Danny G. LeRoy: »The Underground Economy in One Page«
Aus dem Englischen von Pascal Topolewski

Was ist die Schattenwirtschaft [eng.: Underground Economy]?

1. Es handelt sich um nichts Unterirdisches. Es ist auch kein Gebäude oder einen Ort. Der abfällige Begriff »Schattenwirtschaft« bezeichnet Handel, der außerhalb entsprechender Gewalten stattfindet. Das typische gehandelte Gut umfasst unter anderem Drogen, Sex, Elektronikartikel, Software, Filme, Musik und Dienstleistungen im Baugewerbe.

2. Ein Markt ist ein Prozess, der von dem Zusammenspiel aus Käufer und Verkäufer bedingt wird. Beschränkt sich der Staat auf den Schutz von Personen und privaten Eigentums vor Überfällen und Diebstahl, so verlaufen die Prozesse des Markts ungehindert. Die Gelegenheiten zu konsumieren steigen mit den Unternehmern, die Ressourcen zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen zum Zwecke der rentablen Befriedigung der unzähligen Wünsche der Konsumenten zur Verfügung stellen.

3. Wenn der Staat durch Steuern, Regulierung oder Verbot in die Prozesse des Markts eingreift, geht das über den Schutz der Personen und des Eigentum vor Überfällen und Diebstahl hinaus. Staatlich zugesicherte Monopole in Form von Firmengruppen oder von Patenten schützen keine Eigentumsrechte – im Gegenteil. Das Ziel des staatlichen Interventionismus ist die Kontrolle über den Konsum und die Produktion durch Privatpersonen. Anders ausgedrückt: Übergeordnete Autoritäten wollen zu Ihrem Wohl bestimmen, was Sie mit ihrem Körper machen und was sie besitzen.

4. Dies stellt das verstärkte Handeln der Regierung in eine komplizierte Position, besonders bezogen auf das Verbot von Marihuana, Haschisch oder Kokain und Dienstleistungen sexueller Natur. Indem Produktion, Handel und Konsum solcher Güter und Dienstleistungen kriminalisiert wird, wird eine ausführende Gewalt benötigt, die ihre Aufmerksamkeit vom Schutz der Personen und ihres Eigentums abwenden und sich der Befragung, der Suche, der Bußgeldstrafe, sowie der Gefangennahme von entsprechenden Konsumenten, Vertretern oder Verkäufern zuwendet. So wird versucht, die Marktprozesse zum Stillstand zu bringen – das Zusammenspiel zwischen Interessenten und Verkäufern. Solche Handlungen der Exekutive sind nicht nur kostspielig – ihnen mangelt es auch an Effektivität. In Wirklichkeit lassen die Fakten darauf schließen, dass das Verbot von Drogen und Prostitution kontraproduktiv ist.

5. Wenn etwas illegal wird, verschwindet die Nachfrage der Konsumenten nicht. Stattdessen suchen sie nach arbeitsaufwendigen und riskanten Alternativen, um ihre Wünsche zu befriedigen. Preise sind höher als sonst und sowohl verlangte Produktvielfalt, als auch Produktqualität und -quantität sind geringer. In Bezug auf das unterdrückte Verlangen und dem möglichen Profit, verwenden Menschen mit einer Begabung zur Hintergehung des Staates ihre Energie auf die Stillung dieses Verlangens. Die Illegalität der Aktivitäten ermöglicht es den Zwischenhändlern, hohe Preise zu verlangen und gleichzeitig die Preise der Anbauer von Hanf, Coca und Schlafmohn herunterzuhandeln. Dadurch enstehen Drogenkartelle, Prostitutionsringe und Gewaltübergriffe durch die Verteidigung »ihrer« Territorien.

6. Der staatliche »Kampf gegen die Drogen« war sowohl ein enormer Erfolg als auch ein abgründiger Fehlschlag. Die sogenannten »Drug Warriors« [Drogenbekämpfer] waren erfolgreich. In den Medien waren Bilder von Polizeirazzien zu sehen, bei denen große Mengen an Geld, Drogen und Waffen sichergestellt wurden. Trotzdem hatte das keine Folgen für den lokalen Markt. Illegale Drogen sind immer noch überall erhältlich und die Preise sind mit der Zeit beträchtlich gesunken. Die Menge an Marihuana, die 1980 für 10$ an einer lokalen Highschool erhältlich war, ist beispielsweise nahezu identisch mit der Menge, die man heutzutage bekommt.

7. Befürworter der Prohibition erkennen einige positive Folgen. Die nachgefragte Menge an leichten Drogen wie Marihuana und Haschisch ist geringer, als sie sonst wäre. Das gleiche kann über Prostitution gesagt werden. Allerdings ist es schwer zu glauben, dass die erhofften Folgen die Prohibition – bezogen auf die verlorenen und zerstörten Leben – rechtfertigen.

Veröffentlicht am 24.06.2010
Schlagworte: schwarzmarkt drogen prostitution markt mises.org

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